20.01.2020

Wie Physiotherapie schwer betroffenen Patienten wieder in den Alltag hilft

Morgens, 8 Uhr in Gernsbach: Für die Physiotherapeuten der neurologischen Rehaklinik in der Casimir-Katz-Straße beginnt jeder Tag mit einer neuen Planung. Denn hier werden Patienten behandelt, die schwer erkrankt sind, gerade erst aus dem Krankenhaus entlassen wurden und oftmals intensivmedizinisch betreut werden müssen.

„Eine Wochenplanung ist deshalb bei uns nicht möglich“, erklärt der Physiotherapeut Pascal Grässle, „wir müssen flexibel reagieren.“ Je ein Vertreter seines Teams geht also in die Frühbesprechung mit den Ärzten, um zu erfahren, ob es nachts Auffälligkeiten bei Patienten gab. Dann – nach einer weiteren Besprechung auf den Stationen – beginnen die Therapien. Je 45 Minuten, etwa acht Patienten pro Tag und Therapeut.

Frau F. trainiert heute am Greifbaum feinmotorische Armbewegungen. Dafür hat Pascal Grässle ihr zuerst vom Rollstuhl in den dynamischen Freistehbarren geholfen. Darin steht sie, mit einem Gurt gesichert, selbstständig und kann ihr Körpergewicht nach rechts und links verlagern.

Durch diese dynamischen Bewegungen wird Druck auf die Beine ausgeübt, auch wenn Patienten nach einem Unfall oder Schlaganfall noch nicht wieder stehen können.

Den Greifbaum hat ein Schreiner eigens für das Reha-Zentrum angefertigt, genau nach den Vorstellungen des Therapeuten-Teams. „Es ist schön, auf diese Weise das Arbeitsumfeld mitgestalten zu können“, sagt Grässle, „das ist nicht in jedem Beruf so!“

Die Aufgabe der Physiotherapeuten ist es, Muskeln und Gelenke so zu trainieren, dass der Alltag wieder bestmöglich gelingt. Also zum Beispiel: Einen Becher greifen, zum Mund heben, trinken. Manche Patienten können sich kaum orientieren, haben die Augen geschlossen. So schwer betroffene Patienten begrüßt Pascal Grässle mit ruhiger Stimme und einer Berührung, „damit sie merken, dass sie sich in einer Therapiesituation befinden.“

Seit vier Jahren arbeitet er als Physiotherapeut. „Und es ist immer noch mein Lieblingsberuf“, sagt er.  Interessant fand er das Arbeitsfeld schon als jugendlicher Vereinsfußballer, der bei Sportverletzungen selbst von „Physios“ behandelt wurde. Dass er sich nach seiner Ausbildung für den Bereich der Neurologie entschied, hat seine Leidenschaft für den Beruf noch verstärkt: Weil er zusammen mit dem Ärzte- und Therapeutenteam jeden Patienten immer wieder genau beobachten und überlegen muss, was gerade jetzt am besten hilft. Um wieder so selbstständig wie möglich leben zu können.

Oder um „an Weihnachten wieder zu Hause zu sein“, wie es sich ein Patient wünschte, der Pascal Grässle und seinem Team besonders in Erinnerung geblieben ist. „Sein Zustand war so kritisch, dass wir uns große Sorgen machten. Aber er hat es geschafft.“

Ihr Ansprechpartner

Pascal Grässle

Pascal Grässle

Stellvertretende Therapieleitung Abteilungsleitung Therapie Neurologie Phase B

MEDICLIN Reha-Zentrum Gernsbach